Arbeiten und Studieren an der HSG?

07.10.2010 21:09 (0 Kommentare)

Geht das überhaupt zusammen? Vorallem im Assessment?

 

Ich sage ja - denn ich habe das auch so gemacht.

 

Kurz zu meinem Hintergrund - vor dem Studium in St. Gallen habe ich normal 100% gearbeitet und plante, sicherlich ein Jahr auszusetzen und mich auf das Studium zu konzentrieren. Daraus wurde jedoch nichts, nach nichtmal 20 Tagen ohne Stelle hatte ich bereits eine neue Anstellung, ohne dass ich das eigentlich wirklich wollte.

Während dem Assessment arbeitete ich rund 20%, also einen Tag pro Woche. Das geht, bei genügend Organisation und Priorisierung der verschiedenen alltäglichen Tasks auch ganz gut. Wer einen 6er-Schnitt erreichen will, wird mit einer Arbeitstelle zusätzlich sicher nicht glücklich, wer jedoch auch Wert auf etwas Abwechslung und Praxis legt, wird schnell feststellen, dass dies das Leben etwas erleichtert.

 

Ich bin der Überzeugung, dass Arbeitserfahrung das A und O ist bei einer späteren Stellensuche, denn insbesondere BWL ist eine Disziplin, bei welcher man nur sehr wenige technische Kompetenzen erlernt - etwa verglichen mit einem Ingenieur.

 

Nach dem Studium kann ein BWLer zwar verschiedene Konzepte runterbeten und schöne PowerPoint-Slides erstellen, das heisst aber noch lange nicht, dass er oder sie auch wirklich bereit ist, in einem Unternehmen aktiv mitzuarbeiten - denn darauf wird man an der HSG nicht vorbereitet. Die Gruppenarbeiten etc. versuchen zwar, die Sozialkompetenz eines jeden etwas zu verbessern, es kann jedoch niemals vermitteln wie ein Unternehmen wirklich funktioniert, dazu fehlen die Macht- und Prozessstrukturen, das Team und die langfristige Orientierung.

 

Ganz hart gesagt bin ich der Meinung, dass ein Master-Absolvent ohne Praxiserfahrung in einem Unternehmen nichts gescheites einbringen kann. Der schwarze Porsche, der Hugo Boss-Anzug, die Rolex, der Masterabschluss mit einer 5.5 und die eloquente Ausdrucksweise mögen jemandem zwar eine Job verschaffen, garantieren jedoch noch lange nicht, dass wirklich auch Erfahrung vorhanden ist.

 

Durch das Gespräch mit verschiedenen Personen im HR und Management-Bereich habe ich auch das Gefühl, nicht der Einzige zu sehen, der das so sieht. Nehmt es ech also zu Herzen, aktiv nach Stellen Ausschau zu halten, wenn möglich nicht in einem Institut der Universität sondern in der Privatwirtschaft, da die Unterschiede da auch nochmal signifikant sind (kurze Überlegung - wer finanziert jeweils den Lohn? Dies prägt die Kultur stark!).

 

Unter Arbeitserfahrung verstehe ich jedoch nicht alles, was mit Arbeit zu tun hat. Sinnvollerweise in einem Bereich, in dem Mann oder Frau auch später tätig sein möchte. Regale auffüllen im Detailhandel zähle ich nicht dazu, denn dort erfährt man nicht den typischen Büroalltag.

 

Also: Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten. Übung macht den Meister, durch die Erfahrung in einem Unternehmen und die gelernte Theorie an der Uni kann man sich selbst Überlegungen machen, was man wie verbessern könnte - und das dann auch mit einbringen. Unternehmen sind selten gegen Verbesserungsvorschläge abgeneigt, damit hast du gleichzeitig die Chance etwas sinnvolles zu tun und die gelernte Theorie bereits früh praktisch anzuwenden.

Und falls ihr einmal einem HR-Manager gegenüber sitzt der ähnlich denkt wie ich, werden die guten Noten nichts bringen, wenn dies nicht durch Erfahrung untermauert wird!

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